Über 80 Für 80

Gemeinschaftsausstellung in der GALERIE des KUNSTHAUSES der Achim Freyer Stiftung

5. April – 30. November 2014

Das KUNSTHAUS der ACHIM FREYER STIFTUNG, eine denkmalgeschützte Villa mit seiner ungewöhnlichen Präsentation der ca. 2000 Exponate umfassenden SAMMLUNG von internationaler Kunst des 19. – 21. Jahrhunderts, Art Brut, naiver Malerei, Volks- und Straßenkunst, zeigt in seiner GALERIE für wechselnde Programme zur Förderung zeitgenössischer Kunst und junger Künstler eine Ausstellung “Achtzig für Achtzig”.

Mehr als 80 lebende Künstler, die in der SAMMLUNG des KUNSTHAUSES mit ihren Arbeiten vertreten sind, gratulieren! und ehren den Maler und Stifter Achim FREYER in der GALERIEausstellung mit je einem erwerbbaren Werk. Fünfzehn unerhörte und nie gesehene Rahmenveranstaltungen begleiten die bis 30.11.2014 zu erlebende Ausstellung.

Eröffnung der Ausstellung am 30.03.2014

Kamera: viet-lup, Montage: Uwe Ziegenhagen

Beteiligte Künstler

Stephan Andreae, Julia Antonia, Holger Bär, Horst Bartnig, Christiane Baumgartner, Ulysses Belz, Uwe Bender, Linde Bischof, Günter Blendinger, Justus Bobrowski, Birgit Brenner, Hans Brosch, Bernd Bukowski, Tony Conway, Lutz Dammbeck, Kerstin Drechsel, Hartwig Ebersbach, William Engelen, Merit Fakler, Friederike Feldmann, Daniel Ferstl, Tone Fink, Julia Freyer, Paul Fuchs, Heike Gallmeier, Dieter Goltzsche, Peter Graf, Angela Grasser, Christine Gregor, Jörn Grothkopp, Maria Grünke, Johannes Grützke, Doris Grund, Sabina Grzimek, Michael Hall, Stefan Häfner, Jörg Herold, Peter Herrmann, Moritz Höhne, Rosemarie Hübner, Karl-Ulrich Iden, Urs Jaeggi, Lutz Kampelmann, Ulli Kampelmann, Cornelia Kempers, Imi Knoebel, Caroline Kober, Ute Köngeter, Andreas Kretz, Michael Kutzner, Helmut Lachenmann, Wolfgang Leber, Laude Yu Lee, Volker Leonhard, Via Lewandowsky, Jupp Linssen, Rosa Loy, Fritz Marquardt, Kathi Maurer, Monika Maurer-Morgenstern, Christoph Mayer, Jonathan Meese, Robert Metzkes, Nanne Meyer, Gerhard Müller, Christoph Müller-Stüler, Olaf Nicolai, Achim Niemann, Moritz Nitsche, Hella Nohl, A. R. Penck, Erich Prager, Bert Rademacher, Neo Rauch, Marianne Richter, Roland Richter, Monika Rittershaus, Michael Rott, Martin Rupprecht, Karin Sakrowski, Monika Sarnitz, Wolfgang Sautermeister, Karlheinz Schäfer, Hans Scheib, Susanne Schirdewahn, Nicole Schmuhl, Dieter Schnebel, Agelinde Scholl, Manfred Scholl, Gundula Schulze Eldowy, Dorothea Schutsch, Michael Sellmann, Deborah Sengl, Klaus Staeck, Reinhard Stangl, Strawalde, Julia Tschaikner, Corinna Voißel, Walter Weiße, Nina Weitzner, Robert Wilson, Georg Würz

Alle Künstler mit Vita

Ansichten der Ausstellung

Fotos: Ulrich Freyer

Fotos von der Vernissage

Fotos: Monika Rittershaus (1-5) und Lucie Jansch (6-7)

Texte

Matthias Flügge: Rede zur Ausstellung in der Kunststiftung Achim Freyer, Berlin, am 30. März 2014 (gekürzt)

Meine Damen und Herren,

(…) Wer ein Faible hat für das Erkunden fremder, gleichwohl im Innersten vertrauter Welten, kann hier in einen Kosmos eintauchen, in dem nichts den Blick trübt, ihm vielmehr die äußerste Schärfe abverlangt. (…)
Giacometti, Léger, Beyus, Schroeder-Sonnenstern, Beckmann, die vielen Künstlerfreunde und die gänzlich Unbekannten, deren Arbeiten zu ihm stießen: Hier sind alle gleich. Da erschrickt der Kunsthistoriker. Schließlich ist er es, der fortwährend an der Konstruktion und Dekonstruktion künstlerischer Hierarchien werkt. Hierarchien, die es hier nicht gibt. (…)
Die Sammlung von Achim Freyer ist nicht nach rationalen, intellektuellen oder gar markttechnischen Überlegungen aufgebaut. Sie ist ganz und gar ein Resultat des Augensinnes eines Künstlers, dessen Werk auf dem Theater wie im Bildnerischen in der Tatsache wurzelt, dass entwicklungsgeschichtlich das Sehen vor dem Sprechen kommt, dass wir durch das Sehen unseren Ort in einer Umwelt bestimmen, die wir mit Worten zwar beschreiben, aber eben nur durch das Sehen wirklich als Wirklichkeit erfahren können. Denn wir erlernen die Realität zuerst durch Bilder. (…)
Diese Sammlung steht mit nichts und niemandem in Konkurrenz. Es geht nicht darum, Hauptwerke zu finden. Eine kleine, zauberhafte Radierung von James Ensor verschafft dem belgischen Magier der Realität der Mythen ebensolche Präsenz, als wäre sein „Einzug Christi in Jerusalem“ aus dem Getty angereist. Und eine vergleichsweise ebenso kleine Malerei von Fernand Léger, ein Zufallsfund, lässt die Frage nach ihrer Echtheit geradezu demonstrativ offen. (…)
Echtheit und Einmaligkeit sind nicht die bestimmenden Kriterien. Wohl aber das, was wir Aura nennen, jene Ferne, so nahe sie sein mag, wie Benjamin das beschrieb, die verloren ging, als das Kunstwerk im Medienbetrieb seiner Besonderheit und seines Ortes beraubt wurde. Im direkten Zwiegespräch zwischen Werk und Betrachter kann sie jedoch wieder aufscheinen. Darauf vertraut der Sammler Achim Freyer.
Denn Sammlung heißt ja auch: zu sich kommen, sich auf etwas konzentrieren, sein Inneres in einen Zustand des Gleichgewichts bringen. Dieser etymologische Zusammenhang ist heute, in den Zeiten beschleunigter Besitzanhäufung weithin aus dem Blick geraten. (…)
Achim Freyer geht es um die Ganzheitlichkeit der Kunst. Deshalb finden sich in seiner Sammlung Arbeiten von professionellen Künstlern neben denen der sogenannten „Outsider Art“, wissenschaftliche Illustrationen aus dem Umfeld von Diderots „Encyclopédie“ neben höchst elaborierten Exponaten zum Beispiel von Neo Rauch, die in die Sammlung kamen, ehe der Hype über den Künstler hereinbrach. Aber auch Werke der „Straßenkunst“, mehr oder minder zwielichtige Trouvaillen von den Flohmärkten aller Herren Länder und Arbeiten von dem Künstler persönlich nahestehenden Autoren fanden liebevolle Aufnahme.
Alles das, sagt Achim Freyer, ist Kunst. Er meint damit nichts anderes, als dass die Kunst ja erst im Auge des Betrachters entsteht. Und der phänotypische Betrachter ist hier der Künstler Achim Freyer. Das ist es, was diese Sammlung so wertvoll und interessant macht: Sie ist selbst ein Teil des Gesamtkunstwerks, an dem er nun seit etlichen Jahrzehnten arbeitet. Dass der 80. Geburtstag heute nicht im Lichte des international hochgeschätzten Theatermannes Achim Freyer und auch nicht in dem des Malers steht, sondern die Sammlung und ihre Künstler in den Mittelpunkt rückt, können wir dafür als ein klares Zeichen deuten. (…)
Es geht mir hier um das Glücksgefühl, Künstlern zu begegnen, deren Werk das eigene Leben mit gestalten: Charlotte Pauly, Kurt Wanski, Albert Wigand, Hermann Glöckner, Carlfriedrich Claus, Ernst Schroeder, Manfred Böttcher und viele andere, die in der Ausstellung vertreten oder auch hier anwesend sind. Oder nennen wir die Älteren: Max Liebermann, Käthe Kollwitz…
Nur einer fehlt im Haus des Berliners Achim Freyer (…), lieber Achim Freyer, ich möchte Ihnen gern anheim stellen, zum Geburtstag in dieses Haus diese kleine Zeichnung vom alten Heinrich Zille gütigst aufzunehmen.
Vielleicht findet sich ja noch ein Winkel und niemand anderes muss weichen.
Herzlichen Glückwunsch!