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Lunita-July Dorn, Tell me about it, 2026, Acryl auf Leinwand, 160×170 cm, Courtesy of the artist, Tanya Leighton, Berlin and Los Angeles and Galerie Andreae, Bonn / Foto: Gunter Lepkowski

Lunita-July Dorn

like a bird on a wire

12.09. – 13.12.2026

Kuratiert von Sabine Bayer

Anlässlich der Berlin Art Week 2026 präsentiert das Achim Freyer Kunsthaus die erste institutionelle Einzelausstellung der jungen Berliner Malerin Lunita-July Dorn: Like a Bird on a Wire.

In großformatigen Gemälden und Zeichnungen macht sich Dorn immer wieder zur imaginären Protagonistin. Ob einzeln oder in Vielzahl, ihr eigenes Porträt ist der Ausgangspunkt einer eindringlichen malerischen Selbstbefragung, mit der sie individuelle und soziale Rollenbilder erprobt.

Dorn verwebt persönliche Erinnerungen und Gefühle mit fantastischen Motiven und Szenerien zu anmutigen, autofiktionalen Erzählungen. Ihre Bilder besitzen eine berührende Unmittelbarkeit und bewahren die Spuren ihres Schaffensprozesses. Vor- und Überzeichnungen, Schichtungen, Ausstreichungen und wiederfreilegte Passagen hält Dorn ganz bewusst offen. Ihre Identitätssuche – bildnerisch wie psychologisch – ist damit nichts Abgeschlossenes, sondern ein Zustand permanenter Wandlung.

Dorns Ausstellung kreist um das Bei-sich-Sein als existenzielle Erfahrung und erzählt von der oft schwer aushaltbaren Sehnsucht nach Freiheit, nach Liebe, nach Glück. Im Zentrum ihrer Ausstellung steht die Auseinandersetzung mit den Umwegen, Verirrungen und offenen Fragen, die jedes Leben ein Leben lang mit sich bringt. Ihre Bilder öffnen Räume, in denen innere und äußere Wirklichkeiten ineinander übergehen, Träume und Wünsche, Alltag und harsche Realität beständig die Plätze wechseln.

Dorn erkundet Nähe und Distanz, Geborgenheit und Verunsicherung, Erinnerung und Präsenz. Durch einen unbestimmten Wunsch nach Veränderung kann das Vertraute fremd werden, das Eigene sich unvermittelt jedem Einfluss entziehen oder sich im völlig Ungewissen plötzlich Halt auftun. Ihre Werke bewegen sich zwischen Zugehörigkeit und Unheimlichkeit, »irgendwo zwischen Aufbruch und Abschied«, Ankunft und Aufenthalt.

In diesem feinen Dazwischen eröffnet Dorn einen poetischen Resonanzraum für die Frage, wie wir Menschen uns in der Welt wiederfinden und beheimaten. Wie wir freudig Neues entdecken, andere Wege gehen, uns dem Unbekannten öffnen und zugleich voll Melancholie das Vertraute verlassen. Sicherheiten loslassen, Standfinden im Unbeständigen.

Ihren Ausstellungstitel entlehnt sie dem gleichnamigen Lied Leonard Cohens, das dieser nahezu im selben Alter schrieb. Und wie Cohen trägt auch Dorn den Aufruhr zwischen dem jugendlichen Verlangen nach ungebundener Freiheit, dem verletzlichen Bedürfnis nach einem eigenen Ort und einer fesselnden Realität mit ihren ernüchternden Verbindlichkeiten in ihren Bildern aus.

Im Dialog mit der Sammlung der Moderne, Art Brut und Outsider Art nutzt Lunita-July Dorn das Achim Freyer Kunsthaus nicht bloß als Bühne. Vielmehr verbindet sie ihre Werke mit der besonderen Atmosphäre der Sammlung und den unzähligen, darin bewahrten künstlerischen Lebensläufen, Zeugnissen und Erinnerungsräumen zu einem sinnbildlichen Tableau all jener Beziehungen, die unsere Leben prägen.

Lunita-July Dorn
Geboren 1999 in Berlin, lebt ebendort. 2020–2026 Studium an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. 2025/26 Nominierung für den Young Generation Art Award, Berlin.

Ausgewählte Einzelausstellungen: 2025: Elektrohalle Romberg, Salzburg; Tanya Leighton, Berlin; Galerie Judith Andreae, Bonn.
Ausgewählte Gruppenausstellungen: 2026: AMOCA Artistic Museum of Contemporary Art, Cardiff. 2025: Neuer Aachener Kunstverein, Aachen; Palazzo Bembo, Venedig; Miettinen Collection, Berlin; Schloss Sacrow, Potsdam. 2023: Galerie Judith Andreae, Bonn. 2022: Zentrum für Aktuelle Kunst, Berlin.


Gefördert aus Mitteln der dezentralen Kulturarbeit des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf von Berlin.